Augenblick mal! 2003

Deutsche Gastspiele

Das Treffen der Treffen

Das Theatertreffen findet vom 2. bis 18. Mai zum 40. Mal statt. Vor zwölf Jahren hat das Theatertreffen eine Schwester bekommen, das Kinder- und Jugendtheater-Treffen, beinahe unbemerkt vom großen Bruder. Dabei ähneln sich beide sehr: Zehn Inszenierungen aus dem deutschsprachigen Raum werden jedes Jahr von einer Jury mit der Auszeichnung künstlerisch 'bemerkenswert' versehen und in Form eines Festivals im Mai in Berlin Fachleuten und einem neugierigen breitem Publikum präsentiert; und beide bieten Foren der Begegnung und Auseinandersetzung. In diesem Jahr haben die Treffen ein gemeinsames Forum gefunden, um sich anzunähern, Unterschiede herauszustellen, aber vielleicht auch, um Vorurteile abzubauen: Die Diskussion im Anschluss der Aufführung 'I Furiosi – Die Wütenden' in der Regie von Sebastian Nübling. Das Kinder- und Jugendtheater hatte oft unfreiwillig ein Schattendasein hinter den Staats- und Stadttheaterapparaten zu führen, brauchte viel Kraft und Ausdauer, um seine verdiente Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und innerhalb der Theater zu finden und zu behaupten.

Das Festivalprogramm des Deutschen Kinder- und Jugendtheater-Treffens spiegelt in diesem Jahr erneut eine Entwicklung, die die künstlichen Grenzen zwischen 'großem' und 'kleinem' Theater zunehmend aufbrechen. Regisseure wie Thalheimer, Petras oder Nübling und Staatstheater wie Dresden oder Stuttgart sind bei beiden Theatertreffen in den letzten Jahren mit bemerkenswerten Inszenierungen vertreten. Auch verweigert sich die neue Dramatik scheinbar zunehmend einer Grenzziehung. 'Klamms Krieg', 'Feuergesicht', 'I Furiosi – Die Wütenden' oder 'norway.today' sind Beispiele dafür, dass brisante Themen allenfalls vor der Altersbeschränkung nach unten Halt machen. Die Einladungen zu beiden Theatertreffen werden oft als Stärkung der Bühnen verstanden. Sie können im besten Fall dazu beitragen, das Theater in seiner Kraft, Ausdauer und Spielwut – gegen alle Sparzwänge – in der breiten Öffentlichkeit lebendig zu halten und weiter voranzutreiben. Wir wünschen beiden Theatertreffen wachsende Berührungspunkte und uns allen einen inspirierenden Start und einen erfolgreichen Verlauf!

Dr. Joachim Sartorius, Intendant der Berliner Festspiele und Iris Laufenberg, Künstlerische Leiterin Theatertreffen

Plakatmotiv ©  Holger Matthies
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